Vom Niedergang der Wachstumswirtschaft und neuen Chancen 
13.06.2013

Die Quellen unseres Wohlstands gehen zur Neige, aus Peak Oil wird Peak Everything. Wie können wir die Ressourcenübernutzung beenden? Unsere expansive, auf Wirtschaftswachstum beruhende Kultur ist infrage gestellt. Wir müssen andere Modelle des Verteilens, Wirtschaftens und Lebens entwickeln.

Ökologische Fragen haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu sehr auf naturwissenschaftlich-technische Perspektive verengt. Es reicht nicht aus, neue effizientere, nachhaltigere Technik zu entwickeln oder ein "grünes" Wachstum anzustreben. Gefordert ist ein anderer Lebensstil, der zivilisatorische Errungenschaften bewahrt und zugleich die Ressourcenübernutzung radikal zurückfährt.

Eine neue "reduktive Kultur" könnte u.a. durch folgende Charakteristika geprägt sein:

  • anstatt "alles immer sofort" haben zu können, gewöhnen wir uns daran, dass vieles nur saisonal verfügbar ist,
  • statt zu verbrauchen, pflegen wir die Dinge und halten sie instand (Langlebigkeit),
  • statt umfangreich fremdversorgt in Form von Waren und Dienstleistungen zu werden, nehmen wir vieles selbst in die Hand (Selbstversorgung, Do-it-Yourself).

Eine Umstellung des Lebensstils ist für jeden hier und jetzt möglich. Es kommt darauf an, den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und zu nutzen.

Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech kritisiert den Lebensstil der westlichen Industrieländer: dieser beruhe auf globaler Plünderung , wir lebten brutal über unsere Verhältnisse . Er fordert eine Postwachstumsökonomie mit "Industrierückbau" und "Deglobalisierung". Er sieht eine Perspektive in einer regionalen und lokalen Wirtschaft, in verstärkter Selbstversorgung und im Teilen von Gebrauchsgütern. 

Für den Sozialpsychologen Harald Welzer scheint uns die Zukunft abhanden gekommen zu sein. Auch angesichts Peak Everything verhalten sich Wirtschaft und Politik nicht anders als in der Vergangenheit. Dagegen setzt Welzer auf Initiativen, die von Bürgern ausgehen. Er ist überzeugt: wenn nur drei bis fünf Prozent der Beteiligten in den verschiedenen Bereichen beginnen, die Dinge anders zu machen, kann das der Beginn einer gesellschaftlichen Veränderung sein.


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