Welche Landschaft ist schön - und warum?
02.07.2014

Ob eine Landschaft als schön empfunden wird, ist keine subjektive Angelegenheit, denn darüber gibt es eine gesellschaftliche Übereinkunft, wie Umfragen und Experimente zeigen. Ein Landschaftsarchitekt hat sogar eine Formel entwickelt, nach der er die Schönheit einer Landschaft misst. Die Psychologie untersucht seit einiger Zeit, wie unterschiedliche Typen, Formen und Elemente der Landschaft auf unsere Psyche wirken.

Warum wird eine Landschaft als schön empfunden? Es stehen sich zwei Erklärungsansätze gegenüber: der naturwissenschaftliche Erklärungsansatz (Wahrnehmungspsychologie) und kulturwissenschaftliche Konzepte (geschichtliche Entstehung von Wahrnehmungsweisen).

Eine evolutionspsychologische Erklärung stellt die Aussicht-und-Schutz-Hypothese dar. Nach dieser werden Landschaften als besonders ansprechend empfunden, in denen man von Erhebungen aus in ein Umland blicken kann, das mit kleinen Baumgruppen, Wasserläufen oder Seen durchsetzt ist. In solchen Landschaften hätten unsere Vorfahren nach Beutetieren spähen können, ohne selber von Raubtieren entdeckt zu werden. Mit dieser Erklärung verwandt ist die Savannen-Hypothese, nach der unser Schönheitsempfinden von einer evolutionär erworbenen Prägung bestimmt wird, die sich im Verlauf der Menschheitsgeschichte in der afrikanischen Baumsavanne herausgebildet hat. Danach würden Menschen savannenähnliche Landschaften bevorzugen: etwa im Urlaub (Reiseziele), in der Gartengestaltung, in der Landschaftsmalerei. Nach diesem Erklärungsansatz wäre die Landschaftswahrnehmung eine anthropologische Konstante.

Gegen diese Hypothesen spricht, dass es in den vergangenen Jahrhunderten Wandlungen in der Landschaftswahrnehmung gegeben hat. So kennt die Geschichte der Grünanlagen viele Parkformen, die der Baumsavanne gerade nicht entsprechen. Auch galten die Alpen Jahrhunderte lang als „schreckliche Berge“ (montes horribiles). Im 18. Jahrhundert werden sie dann plötzlich als eine schöne Landschaft entdeckt. Also spielen kulturhistorische Aspekte beziehungsweise individuelle Lernprozesse eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Landschaften.

Wir empfinden heute holländische Windmühlen in der Landschaft als idyllisch. Modernen Windkraftanlagen dagegen wird die Verspargelung der Landschaft vorgeworfen. Könnte es da sein, dass wir einmal in Windkraftanlagen, Solardächern und Pumpspeicherkraftwerken auch idyllische Landschaftselemente sehen?