Die Entwertung der Gebrauchsgegenstände
23.04.2015

Jeder Europäer besitzt heute im Durchschnitt 10.000 Gebrauchsgegenstände. Und vier Fünftel davon wurden erst in den letzten 50 Jahren erfunden.

Gebrauchsgegenstände wie z. B. ein Stuhl, eine Truhe oder ein Spiegel nutzen sich nur langsam ab. Im Gegensatz zu einem Verbrauchsgut. Allerdings: Mit der industriellen Massenfertigung verliert jedes einzelne Produkt schnell an Wert. Nach zwei Jahren ist das Smartphone nicht mehr aktuell, Kleidung wird ausgemustert, wenn sie erst wenige Male getragen worden ist, Möbel überstehen kaum einen Umzug. Die Dinge gehen heute nicht an Altersschwäche zugrunde. Sie kranken an einer höchst eigentümlichen Sterblichkeit. Die Produkte sollen nämlich sterben, und zwar möglichst bald, damit der wirtschaftliche Umsatz steigt. Aus Gebrauchsgegenständen sind Verbrauchgüter geworden.

Wir leben in einer Zeit, in der das Neue automatisch mit dem Besseren gleichgesetzt wird. Aber die Waren versprechen mehr, als sie halten können. Der Glanz des Neuen ist rasch verblasst, so dass sich schnell ein Bedürfnis nach neuen Sachen einstellt. Unsere Sensibilität, unsere Wertschätzung gegenüber den Dingen hat dabei abgenommen, was auch mit der Art der Massenwaren selbst zu tun hat. Es gab einmal eine Zeit, da trug der von einem Menschen hergestellte Gegenstand die Handschrift des Produzenten. Mit der Industrialisierung ist den Dingen, mit denen wir uns umgeben, jegliche Individualität ausgetrieben worden.